Kommentare zu «Perikles»

Besten Dank für Deine Stellungnahme. Mir ist klar, dass meine Kritik aufgrund ihrer Länge und Detaillierungsgrad geradezu erdrückend gewirkt haben musste. Dennoch wollte ich niemand verletzen und versuchte so sachlich wie möglich zu bleiben.

Ich möchte betonen, dass ich weder Eure Meinung noch Eure Beobachtung beanstandete, sondern eher die Art und Weise wie sie Zustande kam.
Gerade wenn man ein komplexes Spiel wie Perikles oder auch Caylus und Puerto Rico das erste Mal (!) spielt, hat man selten eine Ahnung, wie man es nun am besten Spielen soll (unabhängig von Regelfragen). Frühestens
beim zweiten Mal kann valable Strategien und Taktiken entwickeln.
Diese Chance hatte Perikles offensichtlich noch nicht.

Aussagen wie "Wo liegt hier eigentlich der Witz des Spieles? Welche Regel passt zu unserer Maxime "to have a plan"? zeigen mir, dass in diesen ersten Spiel noch viel Ratlosigkeit herrschte.
Gerade wegen Eurer grossen Erfahrung in Brettspielen wunderte ich mich darüber, dass Ihr die Lernkurve des ersten Spiels nicht akzeptiert habt und es beim den Eindruck "Nah, nicht so gutes Spiel" belassen habt.

Die Spielbox bspw. kennt den Begriff "Erster Eindruck", dieser hat einen anderen Stellenwert als "Rezension". Wäre über Eurem Bericht "Erster Eindruck" gestanden und nicht "rezensiert von" hätte ich wohl nicht so stark reagiert.

Nochmals zu konkreten Sachverhalten:
Deine Frage:
„Perikles“ bietet eine Menge Situationen, wo ein Spieler sich beliebig rechts oder links von der Frontlinie einordnen kann, und wo er es dann tut, dafür hat er sehr wenig bis gar kein direktes Eigeninteresse. Willst Du dieses perikleische Prinzip bestreiten?

In meinem Partien habe ich eher das Gegenteil erlebt, Angreifer oder Verteidiger zu sein ist keine beliebige Entscheidung, sondern wird sehr stark vom Allianz- bzw. "im Krieg mit"-Gedanken geprägt. Ohne Kampf kein Siegpunktplättchen und schliesslich will man soviel wie möglich mit so wenig als möglich Verlusten ergattern. Risikomanagement mit Optimierungsaspekten.
Wie gesagt, kann man sich mit einer geschickten Allianz durchaus vom dritten auf zweiten Platz vorkämpfen. Dass dabei eine dritte Partei davon profitiert, liegt in der Natur der Sache. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort: "Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte". Die Konsequenz dieses Handelns als Königsmacherei zu bezeichnen gibt für mich nicht die darauf basierende Handlungsmotivation wieder. Ein nicht eingeweihter
vierter Spieler mag natürlich diesen Nebeneffekt wider besseren Wissens als Hauptgrund und Königsmacherei empfinden. Das sind einfach zwei Seiten der Medaille.

Ich stimme zu, dass die Warterei etwas lang werden kann, einerseits bedingt durch die Komplexität der anzustellenden Berechnungen, welches denn der beste nächste Zug ist. Andererseits kann man diese Downtime durchaus eben für das Nachdenken benutzen.

Bevor man nun den Eindruck kriegt "sicher ein Martin Wallace Fan, der das Spiel um's verrecken verteidigen muss"; das letzte Spiel von ihm, namens Byzantium, ist bei mir auch nur sehr durchschnittlich angekommen. Aber bei Perikles sind trotz Glücksfaktoren teilweise sehr subtile Taktiken möglich, welche dies für mich in ein spannendes Spiel verwandeln.
Vielleicht sollte ich einfach meine eigene Rezension schreiben :-).


Besten Dank für die Einladung. Auch ich bin natürlich Vielspieler. Leider wohne ich nicht gleich um die Ecke Münchens.
Viele Grüsse, Daniel

by Daniel R. @15.05.2007, 12:55

Lieber Daniel,
was die "Exaktheit" der Kritik betrifft, hast Du vollkommen Recht. Und wenn Du deswegen den Westpark-Gamers ein paar Minuspunkte verteilst, können wir Dir das nicht verdenken.
Allerdings achten wir in unseren Beiträgen nicht auf Zustimmung oder Ablehnung von Verlagen, Autoren oder Spielefans, sondern wir bringen unsere Informationen und Eindrücke genau so, wie sie in unserem Kreis entstanden sind, und das beißt sich manchmal mit dem Geschmack anderer Spielernaturen, oft sogar mit der Mehrheit. Wir sind zweifellos eine Minderheit!
Wir pochen auch nicht darauf, daß unsere Meinung die einzig gangbare ist. Wir tun uns sogar oft genug schwer, ein Spiel nicht in Grund und Boden zu kritisieren, das bei uns überhaupt nicht angeommen, weil es einfach für einen ganz anderen Spielerkreis geschaffen ist.
Speziell zu „Perikles“: Die Renzension ist aus einem spontanen Stimmungsbericht zu einem Spieleabend bei uns entstanden. Sie ist nicht direkt die Frucht einer stundenlangen, wohldurchdachten Analyse. Doch generell legen wir (ich) in unseren (meinen) Berichten wenig Wert auf genaue Spielregel-Beschreibung. Dazu kann sich jeder Interessierte die Orignal-Regeln besser direkt aus der Internet-Seite vom Verlag herunterladen. Wir legen unseren Schwerpunkt auf die Stimmung, die ein Spiel bei uns und in einem ähnlich gelagerten Spielerkreis vermittelt. In diesem Sinne ist es dann egal, ob eine Stadt „weniger verliert“ oder „häufiger gewinnt“. Buche diese Formulierung einfach auf das Konto von dichterischer Freiheit.
Jetzt noch ein paar Einzelheiten zu Deinen Beanstandungen:
„Kriegsspiel“: Ich persönlich mag diese Sorte von Spielen aus Prinzip nicht. Aber wenn sie in der Antike spielen, dann kann ich die Idee des Sich-Bekriegens eher tolerieren. Daß der Autor von „Perikles“ sich ein paar historische Fakten aus dem Pelopponesichen Krieg genau angeschaut hat, will ich ihm durchaus anerkennen.
„Zum Führer-Wählen“: Der Text steht im Zusammenhang mit dem Zufall, der in „Perikles“ dominiert. Davon möchte ich nichts zurücknehmen. Um Führer zu werden braucht man das richtige Plazierungsplättchen, wofür schon eine Menge Glück benötigt wird; dann braucht man einen schwachen oder keinen Gegenkandidaten, wozu auch Glück gehört (Plazierungsplättchen plus entsprechende Aktionen) und man darf auf niemanden stoßen, der einen meuchelt. Auch Glück. Wie immer man das formuliert, keiner kann sich seine Führungrollen unausweichlich aneignen, sondern er ist zu mehr als 80 Prozent vom Glück oder den Ambitionen seiner Mitspieler abhängig. Oder wie hoch möchtest Du hier die Prozentzahl für das Schmieden am eigenen Schicksal ansetzen?
„Korinthenkacker“: Hast Du heute schon gelacht? Wir zumindest haben in unserer Ein-und-Alles-Session dieses Wortspiel erfunden und herzlich darüber gelacht!
„Kingmakerei“: „Perikles“ bietet eine Menge Situationen, wo ein Spieler sich beliebig rechts oder links von der Frontlinie einordnen kann, und wo er es dann tut, dafür hat er sehr wenig bis gar kein direktes Eigeninteresse. Willst Du dieses perikleische Prinzip bestreiten?
„Komplexes ausrechnen“: ich mag keine Spiele, wo jeder viel zu lange an seinem Zug herumrechnen kann. In „Perikles“ kann man es, und manche tun es. Wir haben nur durchschnittlich alle 7 1/5 Minuten einen Zug tun dürfen. Das ist zu wenig. Es liegt zu einem kleinen Teil an den Charakteren unserer Spieler, zu einem weitaus größeren Teil aber an den Regeln von „Perikles“. An dieser Kritik möchte ich nichts zurücknehmen.
Wir von den „Westpark-Gamers“ sind ein kleiner, aber sehr emsiger Spielerkreis. Und wir haben eine große Erfahrung in den verschiedensten Spielen der Welt. Wir brauchen ein Spiel nicht mehrmals zu spielen, um festzustellen, ob es uns liegt, genausowenig wie ein Weinkenner eine ganze Flasche auszutrinken braucht, nur um beurteilen zu können, ob der Wein seinem Geschmack entspricht oder nicht.
Vielleicht habe ich die Vorzüge von „Perikles“ etwas zu kurz kommen lassen. Diesen Kritikpunkt gestehe ich Dir unbedingt zu. Doch daß in der Tendenz „Perikles“ nicht beim Großteil der Westpark-Gamers angekommen ist und ankommen kann, das mußt Du uns einfach abnehmen.
Viele Grüße Walter
PS: Deinem Schreiben und Argumentieren nach, bist Du mental gar nicht so weit von uns entfernt. Komm’ doch mal vorbei!
by Walter @15.05.2007, 00:32

Natürlich kann ein Spiel nicht jedem gefallen, aber von
einem Rezensenten erwarte ich die korrekte Wiedergabe
der Spielregeln und die definitive Meinungsabgabe nicht
nach nur einer gespielten Partie.

Zitat:
"Ein Kriegsspiel von Martin Wallace. Dass es aber im alten Griechenland angesiedelt ist, darf man den Krieg nicht so ernst nehmen."

Soll das heissen, es handelt sich um ein Fantasy-Spiel?
Ich verweise hiermit auf Geschichtsbücher und den
Pelopponnesischen Krieg.

Zitat:
"...für die Führungsrolle bekommen sie auch welche, und
zwar umso mehr, je häufiger ihre Stadt ihre Kriege gewinnt."

Nicht ganz falsch, aber besser wäre "je weniger Ihre Stadt
verliert", denn wir fangen mit einer Siegpunktzahl an,
welche durch Niederlagen reduziert wird und nicht umgekehrt.

Zitat:
"...zum Führer wählen lässt. Auch dafür braucht man das
richtige Platzierungskärtchen."

Nicht unbedingt, denn nach den Platzierungskärtchen gibt
es nochmals eine Phase "Kandidaten vorschlagen". Wer
Startspieler ist, kann hier auf Nummer sicher nochmals
einen seinen Kandidaten ins Trockene bringen. Es handelt sich hierbei nicht nur um "Glück" ob das gewünschte Plättchen da ist, sondern um Risikomanagement.

Zitat:
"... dann doch noch die Erlaubnis in Korinth zu kacken".

Durch solche unnötigen verbalen Entgleisungen wird die
Rezension nicht glaubwürdiger.

Zitat:
" Oder artet es nicht sogar in Kingmakerei aus, wenn man mit der Meuchelkarte in einer beliebigen anderen Stadt einen beliebigen anderen fremden Kandidaten abmeuchelt?"

Grundsätzlich verfolgt ein Spieler eigennützige Absichten.
Ein Spieler auf dem dritten Platz, mit der Möglichkeit den
zweiten Platz zu ergattern, hilft durchaus mal dem aus seiner Sicht nicht einholbaren Ersten, um damit dem Zweiten eins auszuwischen. Königsmacherei oder Eigennutz, das ist dann Ansichtssache.

Zitat:
"Wer Glück hat, ist Herr in einer friedlichen Stadt und
braucht seine Siegpunkte nicht zu verteidigen."

Dies hat nichts mit Glück zu tun, im Gegenteil: Wenn kein
Kampf stattfindet gibt es auch kein Siegpunktplättchen.
Bitte Regeln genau lesen.

Zitat:
"Normalerweise ist das triviale Kingmakerei, denn es gibt
meist keinen Grund, sich für oder gegen eine Stadt zu
entscheiden."

Es gibt sehr wohl und oft Gründe: Als Anführer einer kleinen Streitmacht macht es bspw. Sinn, freiwillig mit Athen oder Sparta zu kämpfen, um mit dieser erwzungenen Allianz sich von Angriffen einer dieser Grossmächte zu schützen. Ein solcher Entscheid ist alles andere als trivial.

Zitat:
"Einmal rief Moritz verzeifelt aus: "Ist ja komplex, wenn man sich das alles ausrechnen will!"

Das ist richtig und trifft in dieser Form auch für Klassiker
wie Schach oder Go zu. Uns es hier in der Folge als negative Eigenschaft verkaufen zu wollen, wirkt befremdend auf mich.

Zitat:
"Noch eine Schwäche von "Perikles": Eine der Eigenschaftskarten kostete Moritz in einem einzigen Kampf etwa 12 Siegpunkte und brachte Walter 6 Punkte sein."

Die Frage ist, wieviele Siegpunkte konnte Moritz den mittels Einsatz seiner Sonderkarte gut machen? Jeder Spieler erhält eine solche. Daher sollte die Bilanz, falls jeder sie einsetzt auch in etwas ausgeglichen sein. Wirklich eine Schwäche?

Ich will diese Rezension nicht nur "in der Luft zerreissen".
Der Beobachtung, dass die Wartezeiten aufgrund des Anspruches etwas lang geraten können, stimme ich durchaus zu.


Fazit
Der Rezensent weist einige Regelunsicherheiten auf, auch wenn es um das Spielzprinzip oder Taktiken geht. Ob infolge dessen oder einem anderen Faktor das Spiel nicht gefallen hat, bleibt offen. Tatsache ist aber, dass der Rezensent mit allen Mitteln versucht, das Missfallen mit grossen Glücksfaktoren oder Königsmacherei zu begründen, welches wie oben aufgezeigt, oftmals nicht den Tatsachen entspricht.
Die Rezension nach offensichtlich nur einer Partie, einer
Besetzung und evtl. nicht korrekt angewandter Regeln, hättet Ihr besser nicht in dieser Form veröffentlicht.
Sie schadet dem guten Ruf der Westpark Gamers.


by Daniel R. @14.05.2007, 14:11

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